Virtuelle Ladentheke

Süßigkeiten am Kiosk

Die strategische Ausrichtung hat sich geändert, eine Website soll zukünftig verkaufen. Sie soll zu einer richtigen Produktwebsite werden. Bisher standen die Information über und die Dokumentation um das Produkt im Vordergrund.

Was macht eine gute Produkt-Website aus? Neben einer ansprechenden Präsentation der Produkte und Leistungen, spielt v.a. gute Usability die wohl entscheidende Rolle. V.a. die Verständlichkeit der Inhalte, sowie vollständige und prägnante Information zu Produkten.

Gerade bei sehr erklärungsbedürftigen Produkten (neue und komplexe), kostet schlechte Usability richtig Geld. Der User fragt sich u.a.: Was willst Du mir verkaufen und was habe ich davon? Was hast Du, was andere nicht haben?

Keine Zeit, komm zur Sache

Wir haben für die Beantwortung der zentralen und initialen Fragen nur sehr wenig Zeit. Umso wichtiger ist es, auf den Punkt zu kommen. Nicht um den heißen Brei reden. Klare Antworten auf die zentralen Fragen sind im ersten Schritt der kritische Erfolgsfaktor.

Die Welt erwartet Ergebnisse. Sprich nicht über deine Bemühungen. Zeige ihnen das Baby.

Arnold Glasow

Der Fokus dieses Artikels liegt auf der Verständlichkeit der Inhalte und natürlich auch auf einer ansprechenden Präsentation. Einem ansprechenden und brauchbaren Informationsdesign. Allgemeine Grundsätze von Design und Usability werden nicht explizit behandelt.

Es muss für die Besucher schnell ersichtlich sein, ob es sich für sie lohnt, weiter Zeit in den Besuch unserer Produktwebsite zu investieren.

Problemlöser

Interessenten landen auf der Produktwebsite oft deshalb, weil sie auf der Suche nach der Lösung eines bestimmten Problems sind. Der Begriff Problem ist hier im weiteren Sinne zu verstehen. Diese Motivation der User sollte man von Anfang an im Hinterkopf haben.

Was die Nutzer dabei besonders interessiert

  • Wie löst das Produkt mein konkretes Problem?
  • Was soll mich das kosten?
  • Was sind die Vorteile?

Klare Aussagen auf den Punkt sind dabei gefragt. Eine klare Herausstellung der zentralen Usecases des Produkts, kann hierbei behilflich sein.

Weitere Informationen können außerdem in Form von FAQ, einem Bereich für Detailinformationen und Dokumentation, sowie direkten Kontaktmöglichkeiten bereitgestellt bzw. angeboten werden.

Manchmal kann es sogar gut sein, klar darzustellen, welche Probleme ein Produkt nicht löst.

Was die Nutzer dabei nicht besonders interessiert

  • Wie toll der Anbieter selbst ist
  • Die Referenzen des Anbieters
  • Pressemeldungen

Die Referenzen können auch von Vorteil sein – später. Aber die Besucher sollten damit nicht überfallen werden. Zunächst zählen neutrale Fakten. Das sorgt auch für die nötige Glaubwürdigkeit. Referenzen werden die Interessenten erst zu einem späteren Zeitpunkt im Entscheidungsprozess berücksichtigen. Oft werden sie sich solche Information erst auf „neutralem Boden“ besorgen. Z.B. andere Kundenmeinungen in Shoppingportalen oder durch Nachfrage bei Freunden, Bekannten etc.

Design und Präsentation – Die Auslage

Ohne gutes Design bzw. eine ansprechende Präsentation der Produkte ist es oft schwierig, zu verkaufen (vielleicht bis auf sehr wenige Ausnahmen). Machen wir uns aber nichts vor: Ist auf Basis von Fakten eine Vorentscheidung gefallen, kann die Dekoration bzw. das Design den entscheidenden Ausschlag geben.

Hat man also die Grundsätze des ersten Abschnitts berücksichtigt, kommt die Kür.

Webdesign verkauft mit

Es ist wie im Laden. Dunkle, dreckige und muffige Räumlichkeiten sind in den allermeisten Fällen eher ein Grund dafür, direkt wieder umzudrehen (die Website zu verlassen). Schlecht ausgeleuchtete Verkaufsräume und lieblos dahingestapelte Produkte laden auch eher weniger zum Kauf ein.

Ein Positivbeispiel

Auf einen Blick, was das Produkt kann

Auf fitbit.com bekommen Interessenten einen schnellen Überblick zum Produkt. Zudem ist das Ganze übersichtlich und ansprechend gestaltet. Die Startseite fokussiert klar auf das Produkt und erschlägt die Besucher nicht gleich mit sekundären Informationen.

Gerade die Reduktion auf das – für den Nutzer – Wesentliche scheint vielen Anbietern noch Probleme zu bereiten. Man hat Angst davor, die Besucher könnten was verpassen.

Die zentralen Usecases und Features

Für was ist dieses Produkt gut? Diese Frage wird schnell beantwortet. Es geht im weiteren Sinne um die körperliche Fitness. Ein Helferlein, dass die Benutzer dabei unterstützt fit zu bleiben, indem es ihre Bewegungs- und Schlafgewohnheiten digital dokumentiert.

Zu den besonderen Features gehört, dass das Produkt klein, tragbar und kabellos ist. Und damit sehr mobil und überall einsetzbar.

Das Funktionsprinzip

Das Funktionsprinzip wird in drei Worten schnell und verständlich dargestellt. Tragen, Synchronisieren und Anzeigen. Drei Schlagworte, unterlegt mit ansprechendem Informationsdesign in Form von hübsch aufbereiteten Grafiken, genügen.

Information auf den Punkt

Es fällt direkt auf, dass der Anbieter zunächst konsequent auf technische Detailinformationen verzichtet. Das ist auch gut so, denn den potentiellen Nutzer interessieren diese Details (zunächst) nicht. Die Benutzer interessieren sich dafür, wie das Produkt funktioniert. Nicht dafür, wie es produziert wurde.

Weiterführende Informationen

In Form von FAQ werden weitere Informationen zum Produkt angeboten. Die FAQ sind direkt erreichbar in der Hauptnavigation verlinkt. Dort erhalten die Interessenten Detailinformationen zum Produkt.

Kann man nur Design und Lifestyle verkaufen?

Natürlich (fast) nicht. Viele behaupten zwar, das bspw. Apple seine Macs und anderen Produkte hauptsächlich wegen des schönen Designs verkauft. Weil die Zielgruppe einen großen Hang hin zu Individualität hat. Ok, bei Macs ist die Preishürde oft ziemlich hoch, weshalb man auch das unterstellen könnte. Apple ist sich dessen aber sehr wohl bewusst und nimmt ggf. niedrigere Marktanteile bewusst in Kauf. Das ist eben die Strategie des Konzerns.

Aber unabhängig dieser markenstrategischen und vielleicht auch philosophischen Fragen, weiß Apple auch in Sachen Qualität zu überzeugen. Wären die Produkte qualitativ bescheiden, hätte sich das mittlerweile herumgesprochen. Trotz noch so ansprechenden Designs würde man dann nichts mehr verkaufen.

Und hat man durch gute Qualität und Fakten erstmal überzeugt, fällt bei vielen schließlich auch die Preishürde. Möglicherweise stark beeinflusst durch gutes Design der Produktwebsites…

Mut zum Risiko

Natürlich fällt es schwer, gerade vor einem Relaunch einen harten Schnitt zu wagen. Radikal Inhalte zu kürzen und auch das Design auf das Wesentliche zu reduzieren. Das ist aber auch eine Chance und sollte als solche aufgegriffen werden. Gerade bei bestehenden Websites hat man bereits Daten darüber vorliegen, welche Inhalte besonders oft gewählt wurden. Somit – dank Tracking – kann man ein bisschen Sicherheit gewinnen.

Foto: Kiosk

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo!

    Danke für den interessanten Artikel!

    Es macht Mut bei den Shopbetreibern mehr Sorgfalt bei der Erstellung der Inhalte einzufordern, wenn uns Klagen über zu niedrige Umsätze erreichen, die meist auf eine ungünstige Plazierung bei Google zurück geführt werden.

    Leider unterschätzen die Shopbetreiber meist den Aufwand bei der Einstellung und Pflege der Produkte und aus Frust leidet die Qualität.

    Gruß Doro

  2. Danke für diesen sehr ausführlichen Artikel. Er regt zum nachdenken an und somit hat er ein Ziel erfüllt.

    Ralph

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